Kein Hooray für Capt. Spaulding

Geschafft! Die fünfte Jahreszeit ist vorbei. Große Erleichterung, zumindest bei mir. Denn ich gehöre ich zu jenem Teil der Bevölkerung, der mit dem närrischen Treiben nicht so viel anfangen kann.

Ich bin ein Faschingsmuffel. Oder genauer gesagt: Ich bin ein Faschingsmuffel geworden. Früher war das anders. Da schlüpfte ich schon mal in Frauenkleider oder in ein Groucho-Marx-Kostüm. Aber meine Güte! Ich war jung und brauchte das Geld.

»Musst ja nicht mitfeiern«, höre ich heute immer wieder. Aber so einfach ist das nicht mit der Flucht vor dem Karneval. Warum und wieso? Das durfte ich in einem kleinen autobiographischen Blogartikel für meine-region.de näher erläutern. »Eine unvollendete Faschingslaufbahn« lautet der Titel. »Kein Hooray für Captain Spaulding« hätte auch gepasst und mir persönlich besser gefallen. Aber wer – außer die eingefleischten Marx-Brothers-Fans – erinnert sich heute schon noch an »Animal Crackers«?

Hier geht’s zum Artikel auf meine-region.de.

T.C. Boyle in Braunschweig

Vor rund 14 Jahren, im Spätsommer 2003, rief ich zusammen mit ein paar Freunden in Braunschweig die deutschsprachige Website des Kultautors T.C. Boyle – www.tcboyle.de – ins Leben. Damals hätte ich es nicht für möglich gehalten, den Schriftsteller eines Tages persönlich in Braunschweig begrüßen zu können. Die Buchhandlung Graff, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert, machte es möglich.

Am 17. Februar 2017 stellte T.C. Boyle im Braunschweiger C1-Kino seinen neuen Roman »Die Terranauten« vor. Die Veranstaltung war mit 600 Besuchern komplett ausverkauft und ein voller Erfolg. Margarete von Schwarzkopf vom NDR moderierte souverän. Dass sie nicht alle Pointen von Boyle gekonnt ins Deutsche übersetzte, war zu verkraften. Wie das laute Gelächter im Kinosaal verriet, konnte das Publikum dem Interview auch auf Englisch gut folgen. Schwieriger wurde es, als Boyle selbst eine längere Passage seines neuen Romans vortrug. Zu schnell, zu viele unbekannte Vokabeln. Dies kompensierte die Schauspielerin Fanny Staffa. Sie las eine weitere längere Passage des Buches auf deutsch.

Besonders freute mich, dass www.tcboyle.de nach längerer Zeit wieder einmal auf der Bühne Erwähnung fand. Herzlicher Dank dafür an Joachim und Thomas Wrensch von der Buchhandlung Graff. Auch für die Einladung zum mitternächtlichen Essen, das im Anschluss an die Lesung und die Signierstunde stattfand – mit T.C. Boyle, seiner Frau Karen, der Presseleiterin des Hanser Verlags und den anderen Bühnenakteuren.

Der Spaziergang vom Kino ins Hotel und das Beisammensein in kleiner Runde erlaubten mehrere persönliche Gespräche mit dem Schriftsteller. Nach 14 Jahren www.tcboyle.de immer noch ein seltener Moment.

www.tcboyle.de ist zurück

Seit 1. Dezember 2016 ist www.tcboyle.de wieder auf Sendung. Zehn Jahre lang, von 2003 bis 2013, betreute ich die deutschsprachige Website des gefeierten amerikanischen Schriftstellers. In dieser Zeit entstand ein Informationsmonstrum mit über 500 HTML-Seiten und 17.000 Forumeinträgen. Hinzu kamen Newsblog, regelmäßiger Newsletter und monatliche Übersetzungsarbeit. Zu viel für nebenbei. Ein Relaunch war unmöglich. Deshalb musste ich das Projekt im Herbst 2013 einstellen. Zurück blieb eine einfache Übersicht mit Boyles Büchern.

Vor ein paar Tagen nun der Neustart. Zum einen, weil ich die Auflistung von Boyles Romanen und Kurzgeschichten in das mobile Zeitalter überführen wollte. Das heißt, die neuen Seiten sind für mobile Endgeräte (Smartphone, Tablet-PC etc.) und somit auch für die wichtigste Suchmaschine optimiert. Zum anderen stellte ich 2013 ja nur meine dokumentarische Arbeit ein, nicht aber meine Leidenschaft für T.C. Boyle und seine Bücher.

Im Januar erscheint sein neuer Roman Die Terranauten. Knapp einen Monat später kommt der Schriftsteller wieder auf Lesereise nach Deutschland. Am 17. Februar gastiert er auf Einladung der Buchhandlung Graff erstmals sogar in meiner Heimatstadt Braunschweig, im alten tcboyle.de-Hauptquartier. Auch das ein Grund, der Website neues Leben einzuhauchen.

Das neue Drop City East ist natürlich nicht mehr so umfangreich wie einst, bietet aber alle Infos zu Boyles Büchern, einen kleinen Newsbereich für die wirklich wichtigen Meldungen und ein Scrapbook, wo ältere Texte und Fundstücke nach und nach wieder ins Licht der Öffentlichkeit geschoben werden können.

Paramentenwerkstatt

Zum Jahresende noch ein interessanter Auftrag für meine-region.de: ein Besuch im Kloster St. Marienberg in Helmstedt. Dort lasse ich mir von Domina Mechthild von Veltheim, Konventualin Bärbel Weihe, Restauratorin Sabine Kißler sowie Textilgestalterin Ute Sauerbrey die Aufgaben der Paramentenwerkstatt erklären. Und auch die Geschichte der Werkstatt, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

Höhepunkt meines Besuches in der Klosterkirche ist ein Rundgang durch die Schatzkammer, in denen über 700 Jahre alte Paramente zu bewundern sind. Am längsten verweile ich hier vor dem Heininger Leinenantependium. Der fast zweieinhalb Meter breite und ursprünglich wohl noch größere Altarvorhang wurde vermutlich um das Jahr 1260 für das Kloster Heiningen gefertigt.

In der Paramentenwerkstatt zeigte mir Sabine Kißler abschließend, woran sie gerade arbeitet. Anhand eines barocken Reitersattels, die Auftragsarbeit eines renommierten ostdeutschen Museums, bekomme ich einen detaillierten Einblick in ihre Arbeit als Restauratorin. Der ganze Blogartikel zu meinem Besuch im Kloster St. Marienberg lässt sich hier nachlesen.

Zweites Startcamp38

Am 11. November 2016 fand im phaeno in Wolfsburg das 2. Startcamp38 statt, wo es vornehmlich darum geht, das digitale Kulturnetzwerk in der Region auszubauen. Ein Jahr zuvor, beim ersten Startcamp38, hatte ich am Beispiel unseres Bücherblogs wortmax.de die Möglichkeiten der Professionalisierung von Buch- und Literaturblogs skizziert. In diesem Jahr nutzte ich die Veranstaltung, um einige Aussagen meines ersten Vortrages zu korrigieren und eine erste Bilanz zu ziehen.

2015 hatte ich in meiner Session leichtfertig die Begriffe Kommerzialisierung und Monetarisierung verwendet und dafür – zu Recht – ein paar kritische Kommentare in den Sozialen Medien geerntet. Buch- und Literaturblogger sind nunmal schwerlich mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus beispielsweise der Mode- und Reisebranche zu vergleichen, weil es dort es vor allem um PR geht. Buch- und Literaturblogs hingegen werden in der Regel aus Idealismus und Leidenschaft betrieben, und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema ist meist eine wesentlich kritischere und tiefergehende als bei Reise-, Mode- oder Foodbloggern. Damit ist das naheliegendste Finanzierungsmodell – Geld gegen Rezension – so gut wie ausgeschlossen. Es sei denn, man will ein verlängerter Arm der Werbeabteilungen in den Verlagen sein. Fraglich auch, ob Verlage eine derartige Zusammenarbeit mit Buchbloggern überhaupt in Betracht ziehen.

Möglichkeiten, einen Buchblog zu professionalisieren, gibt es dennoch reichlich. Bei wortmax.de versuchen wir, die Tätigkeit des Buchbloggens mit unserer hauptberuflichen Tätigkeit zu verknüpfen, und dies gelingt uns immer besser. Viele unserer Texte können wir mehrfach verwerten, über die Literaturtipps von Unternehmen oder – wie jüngst – mit einer Veröffentlichung unseres Preisendörfer-Interviews in einem Printmagazin. Wir nehmen an Veranstaltungen von Verlagen teil und an Diskussionsrunden auf Buchmessen. Zudem streben wir die Zusammenarbeit mit einer großen Buchhandlung vor Ort an. Die ersten Gespräche verliefen vielversprechend. Dabei von einer erfolgreichen Kommerzialisierung oder Monetarisierung zu sprechen, ist Blödsinn. Aber unsere Aktivitäten sind längst mehr als nur ein Hobby oder ein Projekt aus Leidenschaft.

Und natürlich sind wir nicht die einzigen Buchblogger, die das Ganze vorantreiben und Fortschritte erzielen. Drei Beispiele: Susanne Kasper von literatuschock.de hat im Sommer 2016 in Heidelberg erfolgreich einen Literaturcamp ins Leben gerufen. Er wird am 24./25. Juni 2017 eine Fortsetzung finden. Tobias Nazemi von buchrevier.com und Sophie Weigand von literaturen folgten in diesem Herbst einer Einladung des Goethe-Instituts nach Kopenhagen, wo sie interessierten Zuhörern die Shortlist des Deutschen Buchpreises präsentierten und Einblicke in die deutschsprachige Buchbloggerszene gaben. Zur Frankfurter Buchmesse startete schließlich das Projekt Blogbuster, bei dem mehrere Blogger gemeinsam auf die Suche nach Nachwuchsautoren gehen. Größen wie Tom Kraushaar vom Verlag Klett-Cotta, Literaturkritiker Denis Scheck, Literaturagentin Elisabeth Ruge und Lars Birken-Bertsch von der Frankfurter Buchmesse stehen ihnen dabei als Jurymitglieder zur Seite.

Es gäbe noch viele weitere Beispiele, und man darf gespannt sein, wie das alles weitergeht.

Bruno Preisendörfer

Die Frankfurter Buchmesse 2016 ist abgehakt. Wie erwartet, war das Interview mit Autor Bruno Preisendörfer einer der Höhepunkte meines Messebesuchs. Preisendörfer gelang mit seinen letzten beiden Büchern über die Goethe- und die Lutherzeit der Sprung in die SPIEGEL-Bestsellerliste.

Das Besondere an diesen Werken ist, dass darin die großen historischen Ereignisse eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr wird der Alltag der damals lebenden Menschen beleuchtet. Wie zum Beispiel gestaltete sich zu Zeiten von Goethe und Luther das Reisen? Was wurde gegessen und getrunken? Welche Kleidung wurde getragen? Wie waren die hygienischen Verhältnisse? Auf diese und viele andere Fragen geben Preisendörfers Bücher detailreich Antwort.

Das Gespräch, das ich mit ihm in Frankfurt führte, wurde am 26. Oktober 2016 im wortmax Blog veröffentlicht. Ein Auszug daraus wird zum Jahresende auch in der Ausgabe 01/2017 des Magazins G/GESCHICHTE erscheinen.

Rezensionen der genannten Bücher finden sich hier:
Bruno Preisendörfer: Als Deutschland noch nicht Deutschland war
Bruno Preisendörfer: Als unser Deutsch erfunden wurde

#fbm16

Alle, die mich kennen, wird es nicht überraschen, dass ich vom 18. bis 22. Oktober wieder in Frankfurt auf der Buchmesse unterwegs bin. Es müsste meine 20. Frankfurter Messeteilnahme sein, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Ein kleines Jubiläum. Über meine erste Reise dorthin, im Jahre 1989, habe ich kürzlich auf der wortmax-Autorenseite gebloggt.

Lang ist’s her! Damals stand die Mauer noch, der Messeturm aber noch nicht. Es durfte noch geraucht werden in den Messehallen. Genächtigt habe ich in klapprigen Autos und bei wildfremden Kellnerinnen. Heute gestaltet sich das Drumherum eines Messebesuchs zum Glück etwas komfortabler – und das Messeprogramm nicht unwesentlich vielfältiger.

Am Mittwoch führe ich ein Interview mit dem Schriftsteller Bruno Preisendörfer. Außerdem gibt es zahlreiche interessante Vorträge und Treffen mit Kolleginnen und Kollegen (eigentlich an allen Tagen). Am Donnerstag drehen sich die meisten meiner Gespräche um US-Schriftsteller T.C. Boyle, weil dieser Anfang 2017 wieder nach Deutschland kommen wird und dann seinen neuen Roman »Die Terranauten« im Gepäck hat. Entsprechend häufig wird man mich am Donnerstag beim Hanser Verlag finden. Am Freitag bin ich fast ausschließlich für den wortmax Bücherblog unterwegs, u.a. bei Diogenes, Kiepenheuer & Witsch und dem Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband. Letzter Punkt auf meiner Agenda ist (beinahe schon traditionell) die Virenschleuder-Preisverleihung am Freitagabend. Dort sieht man die bloggenden Kollegen nochmal alle und kann sich von ihnen verabschieden, bis zur Buchmesse im März in Leipzig.

Es werden erneut aufregende, aber auch anstrengende Tage (und Nächte), und obwohl alles ziemlich straff durchgeplant ist, wird es wieder viele ungeplante, zufällige Begegnungen geben sowie völlig neue Bekanntschaften und Entdeckungen. Sie sind das Salz in der Buchmessensuppe. Die Tickets sind abgespeichert und ausgedruckt, der Koffer in Kürze gepackt, und neue bequeme Schuhe habe ich mir auch gekauft. Kann also losgehen mit der #fbm16.

Alpine Auszeit

Jahresurlaub 2016. Spät dran dieses Mal. Und im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen ich lesend an der spanischen Mittelmeerküste regenerierte, zog es meine Frau und mich in diesem Sommer in die Berge. Eine Alpenüberquerung über den Fernwanderweg E5 stand auf dem Programm: von Oberstdorf nach Meran.

Zu etwa 70 Prozent haben wir diese Tour gemeistert. Die Etappe von der Memminger Hütte bis runter nach Zams haben wir vorsichtshalber ausfallen lassen, wegen eines angeknacksten kleinen Zehs (schon vorm Urlaub passiert) und weil wir für die 1.800 Höhenmeter abwärts zu viel Zeit gebraucht hätten. Streichen mussten wir auch die letzte Etappe über den Similaun, wo Ötzi vor rund 5.000 Jahren sein tragisches Ende fand. Grund war hier ein Wettersturz und ca. 10 Zentimeter Neuschnee.

Unser Ziel war allerdings auch nicht, um jeden Preis zu Fuß die Alpen zu überqueren, sondern die Wanderung – über bis zu 3.000 Meter hohe Gipfel – zu genießen. Das hat sich erfüllt. Zurück gekommen sind wir mit unzähligen faszinierenden Natureindrücken, festgehalten auf rund 600 Fotos, und mit vielen spannenden Geschichten.

Zu Besuch im Pferdestall

Es sind nicht wenige Lesungen, die mein Autorenkollege Karsten Weyershausen und ich seit Beginn unserer gemeinsamen publizistischen Tätigkeit bestritten haben. Im Moment sind wir eher selten auf Lesebühnen unterwegs, weil andere Jobs unseren Arbeitsalltag dominieren. Herr Weyershausen arbeitet bereits an einem neuen Buchprojekt und doziert wieder in Marburg, und ich bin gerade ganz in meine Tätigkeit als Webdienstleister eingespannt.

Dass zwischendurch eine Einladung vom Pferdestall in Helmstedt eintrudelte und für ein bisschen Abwechslung sorgte, freute uns daher ganz besonders. Am 16. Juli gaben Herr Weyershausen und ich ein kleines Best-of aus unseren bisher veröffentlichten Büchern zum Besten. Eine ausführliche Ankündigung erschien u.a. auf den Seiten von szene38.

Trotz Urlaubszeit fanden ca. 30 Interessierte den Weg zu unserer Lesung. Es wurde ein schöner Abend, was hoffentlich auf unsere Darbietungen zurückzuführen ist, ganz sicher aber auch auf die tolle Location und unsere sympathischen Gastgeber.

Vielen Dank an Initiator Andreas Warmbein sowie Jonas Kirsch und das Team vom Pferdestall.

Berlin, Berlin

Seit einigen Monaten engagiere ich mich in der Flüchtlingshilfe vor Ort, unter anderem mit einem wöchentlichen Computerkurs. Es macht großen Spaß, mit den Jungs aus Eritrea und dem Sudan zusammenzuarbeiten. Ich hoffe, es ist für sie lehrreich. Für mich auf jeden Fall. Aktuell arbeiten wir an der Erstellung von WordPress-Seiten.

Am 8. Juli stand aber etwas ganz Anderes auf dem Programm: eine gemeinsame Fahrt nach Berlin mit Besichtigung des Bundestages und Teilnahme an einer Plenarsitzung. Letzteres fanden unsere »Schüler« auch am interessantesten und nicht etwa – wie von mir vermutet – den Gang die Glaskuppel hinauf.

Schade nur, dass gerade irgendwelche Änderungen des Jagdgesetzes diskutiert und verabschiedet wurden. Der anschließende Programmpunkt beschäftigte sich mit der parlamentarischen Kontrolle des Verfassungsschutzes. Hier hätten mich die Vorträge wesentlich mehr interessiert. Leider mussten wir den Plenarsaal verlassen, als das Thema auf den Tisch kam. Allerdings ging es an diesem Tag auch weniger um meine Interessen.

Alles in allem ein schöner, informativer Tag, der zugleich Gelegenheit gab, sich untereinander noch besser kennenzulernen. Nur ein Freund von Busreisen werde ich in meinem Leben nicht mehr.

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